Kommt es zu einem inneren Einriss der absteigenden Hauptschlagader, einer sogenannten Aortendissektion, bildet sich in der Regel eine sogenannte Wühlblutung innerhalb der Gefäßwand, bleibt dort als ein zweiter “falscher Kanal” bestehen und wird nun, neben der Aorta, ebenfalls von Blut durchströmt. Er entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem unerwünschten Parallel-Kanal zur Hauptschlagader, der zu einer Minderdurchblutung von Organen oder zu einer gefährlichen Ausweitung der Hauptschlagader führen kann.
Das wesentliche Therapieziel dieser schweren Erkrankung besteht in einem Verschließen dieses falschen Kanals mittels einem oder mehrerer Aortenstentgrafts. Ein Stentgraft besteht aus einem Metallgeflecht und ist zusätzlich mit Kunststoffgewebe ausgekleidet. Diese werden über die Leistenarterie eingebracht und in der Hauptschlagader platziert. Sie sollen den Bluteintritt in den parallel zur Aorta verlaufenden Nebenkanal verhindern, damit er von der Blutzufuhr abgeschnitten, sich zurückbilden und im Laufe der Zeit von selbst verschließen kann. Bisher war die Erfolgsrate bei dieser Therapie unbefriedigend, weil sich der falsche Kanal in den meisten Fällen nur teilweise verschlossen hat und für Patientinnen und Patienten damit weitere Eingriffe an der Hauptschlagader notwendig waren.
„Mit der neuen Operationstechnik steht uns nun erstmals in Österreich eine Therapie zur Verfügung, mit der wir den „falschen Kanal“ der Aorta sofort verschließen können. Damit bleiben vielen der betroffenen Patientinnen und Patienten weitere Eingriffe an der Hauptschlagader erspart. Die wesentliche Neuerung dieser Methode ist dabei die Eröffnung der trennenden Wand zwischen den beiden Blutkanälen mit einem Ballon. Dadurch wird wieder ein einziger, stabiler Kanal in der Hauptschlagader hergestellt“, erläutert Dr. Oliver Bernecker, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten.
Prim. Univ. Doz. Dr. Christoph Holzinger, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten fasst zusammen: "Die Vorteile dieser neuen Methode liegen in der unmittelbaren und nahezu vollständigen Stabilisierung der Hauptschlagader, dem niedrigen Risiko des Eingriffes und den vielversprechenden, international vorhandenen Langzeitergebnissen bei Patientinnen und Patienten mit akuter Typ-B-Aortendissektion. Bei allen bisher im Universitätsklinikum St. Pölten durchgeführten Eingriffen mit dieser Methode, konnte die Hauptschlagader bis in den Bauchbereich vollständig stabilisiert werden. Damit steht uns erstmals eine Therapie zur Verfügung, die uns einer tatsächlichen Heilung der Folgen einer Aortendissektion einen großen Schritt näherbringt.
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(v.l.n.r.): Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Holzinger, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten, Patient Zafer Naher und Dr. Oliver Bernecker, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten
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