Erweiterungen der Hauptschlagader (Aortenaneurysmen) stellen einen erheblichen Risikofaktor für lebensbedrohliche Komplikationen wie Aortendissektionen (Zerschichtung der Gefäßwand) oder Rupturen dar. Besonders kritisch sind Veränderungen im aufsteigenden Abschnitt der Aorta – jenem Bereich, der direkt an das Herz angrenzt. Bis vor Kurzem bestand hier als einzige therapeutische Option der chirurgische Austausch des betroffenen Gefäßabschnittes. Diese hochkomplexen Eingriffe erfordern in der Regel den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, ein stillgelegtes Herz und oftmals sogar einen temporären Kreislaufstillstand bei stark abgekühlten Patientinnen und Patienten.
Mit der nun erstmals in Niederösterreich eingesetzten PEARS-Methode steht ein organerhaltendes Verfahren zur Verfügung. Dabei wird die Aorta nicht ersetzt, sondern von außen mit einer maßgeschneiderten Prothese ummantelt und dadurch stabilisiert sowie in ihrer Größe reduziert. PEARS steht für Personalized External Aortic Support und wurde ursprünglich in Großbritannien entwickelt.
Die Grundlage für diese innovative Therapie bildet eine spezielle CT-Untersuchung, die am Klinischen Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums St. Pölten unter der Leitung von Prim. Univ.-Prof. Gertraud Heinz, MBA durchgeführt wird. Auf Basis dieser hochauflösenden Bilddaten wird in Großbritannien mittels 3D-Druck eine individuelle Kunststoffprothese gefertigt, die exakt an die Anatomie der jeweiligen Patientin bzw. des jeweiligen Patienten angepasst ist.
„Diese neuartige Methode ist personalisierte Medizin in Perfektion“, erklärt Prim. Clin. Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Dominik Wiedemann, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am Universitätsklinikum St. Pölten, der die PEARS-Eingriffe vor Ort durchführt. „Die individuell hergestellte Prothese kann in einem schonenden Eingriff um die Aorta gelegt werden.“
Ein wesentlicher Vorteil der Methode liegt in der deutlich geringeren Belastung für die Patientinnen und Patienten. „Der Eingriff kann ohne Kreislaufstillstand, ohne Stilllegung des Herzens und in den meisten Fällen sogar vollständig ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden“, betont OA Dr. Felix Nagel, Leiter der Ambulanz für thorakale Aortenaneurysmen an der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie.
Darüber hinaus ermöglicht PEARS eine frühere Operationsindikation und verfolgt ein präventives Ziel: Nicht nur ein weiteres Wachstum der Aorta soll verhindert, sondern auch das Risiko für Dissektionen und Rupturen deutlich reduziert werden.
An der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie des Universitätsklinikums St. Pölten wurden bislang bereits drei Patientinnen und Patienten erfolgreich mit der PEARS-Methode behandelt. Einer von ihnen ist Dipl.-Ing. Thomas Heidenreich: „Meine Operation ist völlig komplikationsfrei verlaufen, und dank der PEARS-Methode konnte ich bereits wenige Tage nach dem Eingriff nach Hause zurückkehren. Ich bin dem Team der Herzchirurgie in St. Pölten außerordentlich dankbar.“
Bildtext:
Foto 1: Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie Prim. Clin. Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Dominik Wiedemann, Patient Dipl.-Ing. Thomas Heidenreich und 1. OA Dr. Andreas Vötsch, MBA
Foto 2: OA Dr. Felix Nagel, Leiter der Ambulanz für thorakale Aortenaneurysmen an der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie
Abdruck honorarfrei nur im Zusammenhang mit der beigefügten Presseaussendung. Jegliche weitere Verwendung oder Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung der NÖ LGA
MEDIENKONTAKT
DI (FH) Thomas Wallner MA
Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum St. Pölten
Tel.: +43 (0) 2742 9004 10030
E-Mail: presse@stpoelten.lknoe.at
