Die Studie mit dem Namen „AC-CADx“ untersuchte, wie gut Jungärztinnen und -ärzte (sogenannte Trainees) bei der Einschätzung von kleinen Darmpolypen mithilfe eines KI-Systems abschneiden. Polypen im Darm können einerseits zu Darmkrebs führen, andererseits kostet ihre Abtragung Zeit, Geld und birgt Risiken. Daher ist es besonders wichtig, sie rechtzeitig zu entdecken und richtig einzuschätzen – ob sie gutartig oder bösartig sind.
Das Team um Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Maieron, Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2 am Universitätsklinikum St. Pölten, arbeitete dabei mit einem modernen KI-System. Dieses hilft während der Darmspiegelung dabei, Polypen zu finden und einzuschätzen.
Was ist neu daran?
Bis jetzt war es so, dass nur sehr erfahrene Endoskopie-Expertinnen und -experten mit hoher Sicherheit sagen konnten, ob ein Polyp harmlos ist. Das nennt man „optische Diagnose“ und diese Erfahrung braucht Jahre bis Jahrzehnte und tausende Untersuchungen.
Unklar war, ob moderne KI-Systeme die „Erfahrungskluft“ ausgleichen können. Die KI schaut bei der Darmspiegelung live mit und gibt Vorschläge ab: Ist der Polyp ein Adenom (kann gefährlich werden) oder nicht?
Das besondere Ergebnis der Studie: Jungärztinnen und -ärzte mit KI-Unterstützung waren in ihrer Diagnose genauso treffsicher wie Expertinnen und Experten ohne KI (nämlich >90%)!<
Was bringt das für Patientinnen und Patienten?
Die Ergebnisse dieser Studie sind ein großer Schritt nach vorne – auch für Patientinnen und Patienten in Niederösterreich:
Große Sicherheit bei Darmspiegelungen, unabhängig davon ob sie von Expertinnen und Experten durchgeführt werden oder nicht.
Weniger Risiko für Komplikationen: Dank genauerer Eischätzung können harmlose Polypen manchmal belassen werden, was Risiko, Zeit und Aufwand „spart”.
Weniger Kosten für das Gesundheitssystem, weil nicht jeder Polyp entfernt, versandt und von einer Pathologie begutachtet werden muss.
Und: Die Qualität der Vorsorge wird dadurch noch besser – was langfristig bedeutet: Weniger Darmkrebs, weniger Sorgen, mehr Gesundheit.
Lokale Forschung auf Weltniveau
Diese Arbeit ist nicht nur medizinisch, sondern auch für die Region ein großer Erfolg: Die Studie wurde von Ärztinnen und Ärzten des Universitätsklinikums St. Pölten gemeinsam mit der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften durchgeführt – unterstützt vom Land Niederösterreich. Die Veröffentlichung in einem Top-Journal der Gastroenterologie zeigt, wie wichtig lokale Forschung ist – und dass sie international mithalten kann.
Fazit und Ausblick
„Wir wollten wissen: Kann Künstliche Intelligenz jungen Kolleginnen und Kollegen helfen, schneller und sicherer zu werden? Die Antwort ist: „Ganz klar, ja“, sagt Priv.-Doz. Dr. Andreas Maieron, Primar der Abteilung und Forschungsgruppenleiter. „Das ist eine seltene echte Win-Win-Situation – für die Ausbildung und für die Patientinnen und Patienten.“
Damit zeigt die Region einmal mehr: In St. Pölten wird Spitzenmedizin gemacht – für die Menschen vor Ort und mit Wirkung weit darüber hinaus.
Bildtext:
OA Dr. Sebastian Bernhofer, Ass. Dr. David Venturi, Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Maieron (Leiter der Abteilung für Innere Medizin 2) und OA Dr. Julian Prosenz
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