Universitätsklinikum St. Pölten: Das UK St. Pölten als niederösterreichisches Zentrum für hämatologische Erkrankungen

ST. PÖLTEN - Wie Daten des jüngst veröffentlichten österreichischen Krebsreports belegen, ist die Anzahl von an Krebs erkrankten Patientinnen und Patienten laufend im Steigen begriffen. Je früher die Diagnose erfolgt, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Die Klinische Abteilung für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum St. Pölten ist das niederösterreichische Zentrum für hämatologische Erkrankungen.

"Die Entwicklung und Implementierung verbesserter Behandlungsformen für Krebs ist ein bedeutender Meilenstein im medizinischen Fortschritt. Durch kontinuierliche Forschung und Innovationen können wir neue Wege finden, um das Leben von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Herausforderungen dieser Krankheit zu überwinden", so Landesrat Ludwig Schleritzko.

Aktuell erkranken in Österreich rund 45.000 Menschen an Krebs und rund 400.000 Menschen leben mit einer Krebserkrankung. Diese Zahl wird laut Prognose der Statistik Austria bereits in sechs Jahren auf 460.000 Personen steigen. Ein Grund für diese starke Zunahme ist, neben der generell höheren Lebenserwartung, in beachtenswerten Fortschritten in der Behandlung bösartiger Erkrankungen zu suchen, die ein längeres Überleben sichert. Während die verfügbaren Therapien immer vielfältiger und effektiver werden, bedarf die zunehmende Komplexität mehr denn je der Expertise spezialisierter Zentren. Neben der Behandlung von Krebserkrankungen solider Organe widmet man sich am Universitätsklinikum St. Pölten im Besonderen auch der Behandlung von Erkrankungen des Blutes.

Die akute myeloische Leukämie (AML) gilt als die häufigste Form von akutem Blutkrebs, welche unbehandelt binnen kurzer Zeit tödlich endet. Die erste intensive Chemotherapie zur Behandlung dieser Erkrankung wurde am UK St. Pölten im Jahr 2014 durchgeführt, seither stieg die Anzahl behandelter Patienten kontinuierlich an. Das ist einerseits der global steigenden Inzidenz der Erkrankung und andererseits der zunehmenden Anerkennung der Abteilung als Zentrum für die Behandlung hämatologischer Erkrankungen zuzuschreiben. Im Jahr 2022 wurden bereits 39 Leukämiefälle in St Pölten dieser für Patientinnen und Patienten und Behandelnden sehr fordernden und aufwendigen Therapie zugeführt, was laut Daten der Statistik Austria 9% der österreichweit neu diagnostizierten AMLs bei Erwachsenen entspricht, im Jahr 2023 stieg die Zahl der behandelten Fälle weiter auf 44 Krankheitsfälle.

Als einziges Transplantationszentrum in Niederösterreich werden hierorts seit 2019 autologe Stammzelltransplantationen durchgeführt. Dabei werden betroffenen Patientinnen und Patienten körpereigene Stammzellen entnommen, diese anschließend aufbereitet und nach einer intensiven Chemotherapie wieder verabreicht. Diese aufwändige Therapie wird bei Menschen, die an bestimmten Arten von Lymphdrüsenkrebs und bösartigen Plasmazellerkrankungen erkrankt sind, angewandt. Im vergangenen Jahr wurden 24 autologe Stammzelltransplantationen in St. Pölten durchgeführt.

Vorreiter in Niederösterreich
Mit der ersten in Niederösterreich durchgeführten CAR-T-Cell-Therapie konnte im Frühjahr 2023 ein weiterer Meilenstein für Patientinnen und Patienten in unserem Bundesland erreicht werden. Bei dieser innovativen Immuntherapie werden Zellen aus dem Körper entnommen und gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt zerstören können. Nach Rückgabe vermehren sich die Zellen im Körper als „lebendes Medikament“ und bekämpfen so die Krankheit. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden im UK St. Pölten bereits acht CAR-T-Cell-Therapien bei Patientinnen und Patienten mit Lymphdrüsenkrebs erfolgreich durchgeführt. Im zweiten Quartal 2024 soll diese Therapie auch für multiple vorbehandelte Myelompatientinnen und -patienten zur Verfügung stehen.

Neue Räumlichkeiten und Weiterentwicklung
Ein international anerkanntes Zentrum für klinische Studien an der Abteilung ermöglicht Patientinnen und Patienten Zugang zu neuartigen, mitunter lebensrettenden Medikamenten lange vor der allgemeinen Verfügbarkeit. Im Frühjahr 2024 wird der Umzug der Abteilung in erweiterte Räumlichkeiten des neuen Haus D am UK St. Pölten erfolgen, ein weiterer wichtiger Schritt in der optimalen Versorgung der laufend steigenden Anzahl von Patientinnen und Patienten.

Für 2024 ist die Einführung eines zentralen niederösterreichweiten Hämatologie-Tumorboards geplant, in dem Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen die bestmögliche Therapie für alle niederösterreichischen Patientinnen und Patienten auch abseits eines hämatologischen Zentrums gewährleisten sollen.

 

 

 

Bildtext:
Prim. Assoc. Prof. Dr. Martin Wiesholzer, Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1

 

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