Unsere Nieren sind Multitalente: Bis zu 300-mal pro Tag filtern sie unser Blut. In Summe bedeutet dies 1.800 Liter. Sie entgiften den Körper, regeln den Flüssigkeits- und Salzhaushalt und produzieren Hormone. Zudem regulieren sie das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper. Erkranken die Nieren oder fallen sie ganz aus, kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Bei schweren Funktionsstörungen ist daher eine Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation nötig.
„Die Früherkennung spielt bei Nierenerkrankungen eine wichtige Rolle, da sie oftmals einen schleichenden Beginn haben und im Frühstadium keine Symptome verursachen. Zeichen von fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung sind beispielsweise geschwollene Gelenke, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, verminderter Appetit oder schaumiger Urin“, erklärt Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Martin Wiesholzer, Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1.
Neben einer Blutanalyse geben besonders die Harnwerte Auskunft – anhand deren Ergebnisse lassen sich erste Schädigungen oder Erkrankungen frühzeitig erkennen. Die jährlich kostenlose Vorsorgeuntersuchung (für alle Personen ab 18 Jahren) im niedergelassenen Bereich beinhaltet auch diesen Check und spielt deshalb in der Prävention eine wichtige Rolle.
Spezialisierung im Universitätsklinikum St. Pölten
„Bei uns im Universitätsklinikum St. Pölten bieten wir Diagnostik und Therapie aller Nierenerkrankungen, die Betreuung nierentransplantierter Patientinnen und Patienten und alle gängigen Formen der Nierenersatztherapie - die sogenannte Dialyse - an. Alternativ zum klassischen Blutreinigungsverfahren (Hämodialyse) wird auch die Bauchdialyse durchgeführt. Das mobile Dialyseteam des Universitätsklinikums ermöglicht schwerkranken und immobilen Patientinnen und Patienten seit Ende 2007 eine assistierte und automatisierte Bauchdialyse (Peritonealdialyse) in häuslicher Umgebung an. Im Rahmen eines Pilotprojektes in Niederösterreich kann eine für die Patientinnen und Patienten kostenfreie Unterstützung bei der Durchführung der Dialyse zu Hause durch geschultes Pflegepersonal der Heimpflegenetzwerke in enger Abstimmung mit dem nephrologischen Zentrum erfolgen. Die Möglichkeit einer Dialysebehandlung zu Hause erspart alten und gebrechlichen Patientinnen und Patienten eine mehrmals wöchentliche Anreise und einen mehrstündigen Therapieaufenthalt im Universitätsklinikum“, so Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Martin Wiesholzer weiter.
Mit der Informationsveranstaltung VOR-NET (Vorbereiten, Orientieren, Reevaluieren vor der NierenErsatzTherapie) bietet die Nephrologische Ambulanz der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum St. Pölten Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung sowie deren Angehörigen eine strukturierte Vorbereitung auf eine mögliche Nierenersatztherapie. Im Rahmen der halbjährlichen Veranstaltung werden Informationen zur Nierenfunktion, zu verschiedenen Therapieoptionen wie Hämodialyse, Peritonealdialyse und Nierentransplantation sowie zu praktischen Aspekten des Behandlungsbeginns vermittelt. Gleichzeitig bietet VOR-NET die Möglichkeit zum persönlichen Austausch mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Psychologinnen und Diätologin sowie anderen Betroffenen, um eine informierte und selbstbestimmte Therapieentscheidung zu unterstützen.
Hauptverursacher vieler Nierenerkrankungen sind neben spezifischen Erkrankungen der Niere Diabetes und Bluthochdruck, die gemeinsam für die Mehrzahl von Nierenversagen
verantwortlich sind. „Durch einen gesunden Lebensstil kann man dem Risiko dieser Nierenerkrankungen vorbeugen: ausreichend Bewegung und Flüssigkeitszufuhr, Fehlernährung (z. B. weniger Salz) und Übergewicht sowie Rauchen vermeiden“, rät der Mediziner Prim. Prof. Dr. Martin Wiesholzer.
Besteht bereits eine Einschränkung der Nierenfunktion, ist es besonders wichtig, die genaue Ursache rasch abzuklären. Chronische Nierenerkrankungen müssen sorgfältig diagnostiziert werden, damit eine gezielte, auf die Ursache abgestimmte Therapie eingeleitet werden kann.
Ist eine spezifische ursächliche Therapie nicht möglich, besteht das Ziel darin, das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verlangsamen. Dies geschieht einerseits durch eine medikamentöse Behandlung sowie Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker. Andererseits spielen oft nicht-medikamentöse Maßnahmen eine große Rolle – insbesondere eine salz- und eiweißangepasste Ernährung, Gewichtsreduktion, Bewegung und konsequente Lebensstiländerungen. Sollte die Nierenfunktion dennoch weiter abnehmen, stehen mit Dialyse und Nierentransplantation wirksame Therapieverfahren zur Verfügung, die Betroffenen weiterhin ein lebenswertes Leben ermöglichen.
Bildtext:
OÄ Dr. Sarah Halmer, OA Dr. Udo Pauler, DGKP Karina Pils, DGKP Michael Kügler, Clin. Ass. Prof. OÄ Dr. Birgit Pfaller-Eiwegger, MSc, Ass. Dr Cornelia Gallauner, Diätologin Regina Gattinger, Dr. Michaela Reisinger, OÄ Dr. Camile Fournier, Psychologin Carina Györök, BScn, MSc, Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Martin Wiesholzer, Psychologin Ramona Gfölner, BSc, MSc und Psychologin Mag Gabriele Erber
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