Im Jahr 2014 konnte in Österreich 813 Menschen durch Organtransplantationen geholfen werden - Prof. Hörmann neuer Transplantationsreferent für Niederösterreich und Burgenland

ST. PÖLTEN – Jemand der die ethischen und fachlichen Aspekte der Organspende bestens kennt, ist Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann, Leiter der Klinischen Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum St. Pölten. Als erfahrener Experte in diesem Bereich hat er die Aufgabe des Transplantationsreferenten für die „Region Ost“ in Österreich übernommen.

„Mein absolutes Credo lautet: Organspende heißt immer, dass am Anfang das Leid der Angehörigen steht, wenn ein Patient verstirbt. Ganz klar muss auch sein, dass jeder Mensch, der ins Klinikum eingeliefert wird, als Patient behandelt wird und die maximale Versorgung und Therapie erhält. Unser Ziel in der Intensivmedizin ist, dass möglichst viele Menschen überleben und wieder gesund werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Organe gerade benötigt werden. Erst dann, wenn die Medizin den Tod eines Menschen hinnehmen muss, wird über das Thema Organspende gesprochen“, so Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann, Leiter der Klinischen Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum St. Pölten.
 
Mit 1. Jänner 2016 wurde Prof. Hörmann als Transplantationsreferent für Niederösterreich und Burgenland, als Teil der Region Ost, bestellt.

Von 2002 bis 2012 hatte er diese Funktion bereits in der Region West, als leitender Oberarzt des Departments Transplant-Anästhesie und Transplant-Intensivmedizin an der Universitätsklinik Innsbruck, inne. Österreich wird beim Thema Organspende und Transplantation in vier Regionen unterteilt. Die Region Ost besitzt aufgrund der Größe zwei Referenten.

„Ich freue mich, dass Prof. Hörmann als ausgewiesener Experte auf dem sensiblen Gebiet der Transplantationsmedizin diese wichtige Aufgabe übernimmt. Ein Ziel von Prof. Hörmann besteht darin, dass nicht aufgrund von organisatorischen Mängeln oder Unwissenheit eine mögliche Organspende versäumt wird. Zentraler Teil seiner Tätigkeit ist dabei die Intensivstationen bei der Identifizierung und Betreuung von potenziellen Organspendern zu unterstützen“, so Landesrat Mag Karl Wilfing.

Um diesen Aufgabenbereich wahrnehmen zu können, wird  Prof. Hörmann vom Transplantationszentrum über jeden gemeldeten Organspender in Niederösterreich und Burgenland informiert und wenn erforderlich eingebunden. Für intensivmedizinische Anfragen in Sachen Organspenderbetreuung ist er an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Ebenso zählt die Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kliniken zu seinem Aufgabenbereich.

Als Organspender kommen prinzipiell all jene Verstorbenen in Frage, bei denen die Hirntoddiagnostik gemäß den Empfehlungen des Obersten Sanitätsrats abgeschlossen wurde und bei denen kein Widerspruch zu einer Organentnahme vorliegt. Es existieren praktisch keine Altersbeschränkungen. Mithilfe von Organtransplantationen wurde 813 Menschen im Jahr 2014 geholfen.

Ein weiteres zentrales Anliegen von Prof. Hörmann ist die Sensibilisierung der Bevölkerung zum Thema Organspende und Transplantation. Er betont die Wichtigkeit, innerhalb der eigenen Familie über das Thema Organspende zu sprechen, um voneinander zu wissen, wie der Einzelne dazu steht. Denn jeder Mensch kann jederzeit in die Situation kommen, selbst potenzieller Organspender zu sein. Wenn man dies nicht möchte, sollte man sich im Widerspruchsregister eintragen lassen oder zumindest die Angehörigen darüber informieren.

„Mich lassen die Patientinnen und Patienten auf der Transplantationswarteliste in diesem Leben nicht mehr los. Diese schwerkranken Menschen haben keine Lobby in der Öffentlichkeitsarbeit. Sie brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt. Darüber hinaus können Menschen nach Organtransplantationen wieder in das Berufsleben integriert werden und sogar sportliche Höchstleistungen sind im Bereich des Möglichen“, so Prof. Hörmann.

Im Universitätsklinikum St. Pölten werden im Rahmen der drei Intensivstationen bis zu 40 potentielle Organspender pro Jahr identifiziert. Zwischen 15 und 20 Verstorbene werden jährlich als tatsächliche Spender gemeldet.



Informationen zur Organspende in Österreich:
Zurzeit werden in Österreich die Organe Niere, Leber, Lunge, Pankreas und Herz transplantiert. Sie können auch kombiniert transplantiert werden, wie etwa Herz-Lunge oder Niere-Pankreas. Darüber hinaus werden in Österreich Transplantationen von Darm und Inselzellen durchgeführt.

Nachfolgend statistische Zahlen gemäß dem Transplant-Jahresbericht 2014 von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) und dem Bundesministerium für Gesundheit:
24,3 Organspender kommen auf eine Million Einwohner (um 11 % höher als noch 2013)
345 verstorbene, potenzielle Organspender wurden gemeldet
207 Organspender wurden auch explantiert
77 Lebendspenden sind erfolgt
921 Personen befanden sich im Jahr 2014 auf der Organwarteliste
Ziel: 30 Spender pro einer Million Einwohner

Österreich verfügt über vier Transplantationszentren. Die drei Uni-Kliniken Wien, Innsbruck und Graz transplantieren alle Organe. Das Wiener AKH hat den Schwerpunkt der Lungen-Transplantation, Pankreas-Transplantationen finden schwerpunktmäßig in Innsbruck statt.
Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz transplaniert ausschließlich Nieren.

Österreich bewegte sich 2013 im internationalen Vergleich im Spitzenfeld des Transplantationsaufkommens. Im Bereich der Nierenlebendspende sowie der  Transplantation von Leber und Pankreas liegt Österreich im Mittelfeld der vergleichbaren Länder. Bei der Lungen-Transplantation hat Österreich die höchste Frequenz pro Million Einwohner.

Das von der Gesundheit Österreich GmbH geführte Widerspruchsregister gibt es seit dem Jahr 1995. Mit Ende des Jahres 2014 haben sich 35.205 Personen in Österreich im Widerspruchregister gegen eine Organentnahme ausgesprochen.153 Personen haben sich seit dem Bestehen aus dem Widerspruchsregister wieder austragen lassen.

 

Bildtext
(v.l.) Prim. Assoc. Prof. Dr. Christoph Hörmann, Leiter der Klinischen Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum St. Pölten und neuer Transplantationsreferent für die Region Ost mit Landesrat Mag. Karl Wilfing

 

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